Geplanter Phonolithabbau am Kaiserstuhl im Bereich der Endhahle im Schambachtal Bötzingen und Eichstetten.

Geologie

Der Kaiserstuhl ist ein niedriges Bergland in Südbaden und eine der geologisch interessantesten Regionen Deutschlands. Er liegt mitten im Oberrheingraben, einer tektonischen Senkungszone, die sich seit dem Tertiär durch Dehnungsbewegungen der Erdkruste gebildet hat. Diese tektonische Aktivität ermöglichte vor etwa 19 bis 16 Millionen Jahren (Miozän) das Aufsteigen von Magma aus dem oberen Erdmantel.

Der Kaiserstuhl entstand durch intensiven Vulkanismus, der überwiegend intrusiv und explosiv geprägt war. Es bildeten sich zahlreiche Vulkanschlote, Gänge und subvulkanische Körper, während größere Vulkankegel durch Erosion später weitgehend abgetragen wurden.

Vulkan Miozän

Typisch sind alkalireiche vulkanische Gesteine wie

  • Tephrit

  • Phonolith

  • Nephelinit

  • sowie besonders seltene Karbonatite, die im Kaiserstuhl einzigartig für Mitteleuropa sind und auf eine spezielle Mantelzusammensetzung hinweisen.

Der Phonolith wird nur noch in Bötzingen durch das Mineralstoffwerk Hauri am Fohberg abgebaut. Der Phonolith steht heute weniger für wirtschaftliche Nutzung als vielmehr für den geologischen, ökologischen und kulturellen Wert des Kaiserstuhls und ist ein wichtiger Bestandteil der regionalen Identität.

Nach dem Ende der vulkanischen Aktivität setzte eine lange Phase der Abtragung und Hebung ein. Während der Kaltzeiten des Quartärs wurde der Kaiserstuhl von mächtigen Lössdecken überzogen, die aus feinem Staub bestanden, der von den vegetationsfreien Schotterflächen des Rheintals ausgeweht wurde. Diese Lössablagerungen können mehrere zehn Meter mächtig sein und gehören zu den mächtigsten in Europa.

Geologische Karte: Verbreitung des Phonoliths auf Bötzinger und Eichstetter Gemarkung

Die heutige Landschaft des Kaiserstuhls ist das Ergebnis des Zusammenspiels von Vulkanismus, Tektonik, Erosion und Lösssedimentation. Der fruchtbare Lössboden bildet die Grundlage für die intensive landwirtschaftliche Nutzung, insbesondere den Weinbau, während die vulkanischen Gesteine lokal das Relief, die Bodenbildung und die besondere Flora beeinflussen.

Geologische Karte des Kaiserstuhls

Ein weißes Informationssymbol auf schwarzem Hintergrund.

Was ist eigentlich Phonolith?

Phonolith ist ein vulkanisches Gestein, das hauptsächlich aus Alkalifeldspat und Foiden (wie Nephelin, Sodalith, Hauyn) besteht, wobei Quarz fehlt. Er weist typische Mineralien wie Augit, Calcit und Zeolithe auf, die je nach Fundort variieren können. Seinen Namen (Klingstein) verdankt er dem charakteristischen „klingenden“ Ton, der beim Anschlagen entsteht.

Geologisch ist der Phonolith von großer Bedeutung, da er die vulkanische Entstehungsgeschichte des Kaiserstuhls belegt und wesentlich zur heutigen Form der Landschaft beiträgt.

Der Abbau von Phonolith spielte insbesondere im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Das harte und verwitterungsbeständige Gestein wurde als Baumaterial, im Straßen- und Wegebau sowie als Schotter verwendet. Aufgrund seines hohen Mineralgehalts fand Phonolith zudem Einsatz als Düngemittel bzw. Bodenverbesserer, vor allem im regionalen Weinbau, da er zur Verbesserung der Bodenstruktur und Mineralversorgung beiträgt.

Gleichzeitig hatte der Abbau starke Auswirkungen auf das Landschaftsbild im für den Tourismus immer bedeutender werdenden Kaiserstuhl. Auch mit der zunehmenden Bedeutung des Natur- und Landschaftsschutzes wurde der Phonolithabbau im Kaiserstuhl stark eingeschränkt oder ganz eingestellt. Heute wird er nur noch in Bötzingen durch das Mineralstoffwerk Hauri am Fohbühl abgebaut.

Geplanter Phonolithabbau am Kaiserstuhl im Bereich der Endhahle im Schambachtal Bötzingen und Eichstetten.

Phonolith-Gesteinsbrocken © Ernst Stegmaier

Geplanter Phonolithabbau am Kaiserstuhl im Bereich der Endhahle im Schambachtal Bötzingen und Eichstetten.

Phonolith-Aufschluss auf der Endhahle © Ernst Stegmaier

Schaut man vom Freiburger Rieselfeld, wo ich wohne, nach Westen, so erhebt sich der Kaiserstuhl markant aus der Rheinebene. Als Geograf kann man sich sehr gut vorstellen, dass dieses kleine Gebirge die Überreste eines großen Vulkans sind. Aus den Schloten und Spalten trat damals Lava aus und wurde Asche geschleudert. 

Am östlichen Kaiserstuhl werden die so entstandenen vulkanischen Gesteine heute von mächtigen eiszeitlichen Lössschichten überdeckt. Nur an wenigen Stellen reichen magmatische Schlotfüllungen bis fast an die Erdoberfläche. Das sind unter anderem die berühmten Phonolith-Vorkommen in Bötzingen – zum einen im vorhandenen Steinbruch, zum anderen auf der Endhahle im Schambachtal. Zurecht ist der Kaiserstuhl vom Bundesamt für Naturschutz als „Nationales Geotop“ ausgezeichnet.

Die Endhahle im Talschluss des Schambachtals ist Teil einer äußerst vielfältigen, abgeschiedenen und daher ruhigen Kulturlandschaft. Sie ist geprägt von wertvollen Landschaftselementen wie Hohlwegen, Böschungen, Hecken und kleinen Magerrasen. Mit dem anstehenden Phonolith ist sie auch aus geologischer Sicht äußerst erhaltenswert und muss in der Kaiserstühler Landschaft erhalten bleiben.

Joachim Genser, Geograf und Biologe, Freiburg